Warum ein Avocado Toast alles veränderte

Hallo ihr Lieben,

heute habe ich einen etwas anderen Beitrag für euch. Aber dieses Thema liegt mir schon etwas länger auf dem Herzen und ich wollte diese Gedanken einfach mit euch teilen.

Das Avocado Toast Phänomen

Wer hat sich selbst nicht schon zahlreiche Male dabei ertappt- ich habe mal wieder ein Bild eines toll drapierten Avocado Toasts mit dem Symbol des Herzens, einem “like” flüchtige Anerkennung geschenkt. Und obwohl wir schon soviele Varianten des beliebten Instagram Motives geliked haben, wird uns wohl dennoch nicht langweilig. Oder doch? Habt ihr auch schon mal ein Bild dieser grünen gesunden Pracht auf einem gesunden Vollkorn Toast auf Social Media zur Schau gestellt? Da seid ihr ganz sicher nicht alleine. Nur was hat es mit diesem merkwürdigen Phänomen auf sich, welches meine Oma wohl nie verstehen wird.

Social Proof

Instagram hat sich zu einem lebenden Beweis des „Social Proof“ oder zu deutsch besser bekannt des instinktiven Herdentriebs entwickelt. Was ursprünglich zum Ausdruck unbändiger Individualität und spontaner Moment Aufnahmen gedacht war, entwickelte sich in den vergangen Jahren immer mehr zu einer Vereinheitlichung einer heranwachsenden digitalen Generation. Alle wollen so aussehen und so leben wie ihre Idole, die sogenannten Influencern. Ursprünglich hatten die Macher von Instagram die Idee, die digitale Welt mit individuellen Ideen und spontanen Momentaufnahmen zu bereichern. Die inzwischen Milliarden schwere Social Media Plattform hat sich inzwischen leider weit davon wegbewegt und nutzt den riesigen Erfolg natürlich schamlos für ihre Vorteile. Man kann es ihnen kaum verübeln. Doch warum sieht mittlerweile fast jeder Instagram Account gleich aus? Und warum trägt dieses Phänomen dazu bei, dass sich dieser Einheitsbrei mittlerweile sogar offline etabliert hat? Eine ganz einfache Tatsache die auf unseren lange zurück liegenden Instinkt zurück zuführen ist. Wenn viele Menschen etwas für richtig halten, dann gehen wir einfach davon aus, dass es richtig sein muss. 

„Seien sie skeptisch, wann immer die Firma behauptet ihr Produkt sei das „meist verkaufte Produkt“. Ein absurdes Argument, denn warum soll das Produkt besser sein nur weil es das „meistverkaufte“ ist. „ Ein interessanter Auszug aus Rolf Dobellis Buch (Die Kunst des klaren Denkens)

Vielleicht kennt ihr das auch selber? Ihr steht bei DM vor dem Regal und wollt ein neues Produkt ausprobieren und greift intuitiv nach dem Shampoo in das Regal, dass den geringsten Vorrat aufweist. Denn wenn soviele Menschen es gekauft haben, dann muss es auf jeden Fall gut sein. Und genau so verhält es sich mit den meist geklickten Instagram Ikonen. Mit 100k muss der Content des Mädels  ja super gut sein, denn wie können sich 100 Follower denn täuschen? Immer mehr häufen sich zum verwechseln ähnliche Bilder von hübschen, scheinbar so nahbaren Mädels, welche lächelnd ihren Matcha Latte in die Kamera halten, die ein professioneller Fotograf auf sie richtet. Ich möchte mich hier von keinesfalls frei sprechen, denn auch ich dachte zu Beginn unserer Blog Anfangsphase, dass das das Blogger Geheimnis ist. Einfach das tun, was die anderen Influencer so einfach vormachen. Einfach immer in die angesagtesten Restaurants gehen, die Dinge essen, die sich auf Instagram wunderschön fotografieren lassen (denn Essen in angesagten Restaurants, ist bereits als Fotomotiv angerichtet) und noch schnell ein gestelltes Foto mit Matcha Latte und Sonnenbrille auf dem Marmor Tisch posten. Anfangs lief das auch ganz gut an, die Follower Anzahl wuchs stetig und der gewünschte „Erfolg“ schien zum Greifen nahe. Allerdings stellte mich dieses Verhalten vor ein kleines Problem. 

Es ging uns eigentlich nie darum, zu sein wie jeder andere und eigentlich wollten wir Menschen mit „echten“ Momenten und interessantem Content überzeugen. Das Problem allerdings… die Zahlen gingen zurück und somit auch das Interesse an unserem Profil. So funktioniert Instagram einfach nicht. Noch nicht zumindest. Viele Mädels wollen eben das sehen, was sie überall sonst sehen. Andernfalls ist es zunächst einfach nicht der richtige Inhalt und wirkt schon fast fremdartig in dieser gekünstelten Welt. Dieses Video von Dandy Diary fast den Trend wunderbar zusammen.

                
 

Das Paradoxe an der Geschichte ist, dass man natürlich möglichst viele Menschen erreichen möchte, um Gedanken und Inspirationen zu teilen. Auch Firmen schließen sich diesem Trend an. Wenn du nicht mindestens 5000 Follower vorweisen kannst, bist du in seltensten fällen interessant für eine Kooperation. Ich habe für mich mitgenommen, dass ich mein Verhalten doch etwas überdenken sollte, denn:

„Nur weil 50 Millionen Menschen eine Dummheit behaupten, heißt es nicht, dass es die Wahrheit ist“ (Zitat – Somerset Maugham).

In den letzten Wochen habe ich mich bewusst etwas aus dem zu meinem Alltag gewordenem stündlichem Scrollen heraus gezogen und bin auch einigen Influencern entflogt. Sicher, die Bilder sind nach wievor ein Traum und wunderschön anzusehen aber tuen sie mir wirklich gut? Und bringen sie mir einen Vorteil? Ein vermeintlich „besseres“ Leben -dabei springen die Top 100 Influencer eigentlich tatsächlich nur von einer bezahlten Kooperation in die nächste. Für mich wirkt dieses Verhalten tatsächlich mittlerweile mehr abschreckend als inspirierend. Ich komme mir allmählich doch etwas vor wie ein großes Marketing Opfer. Das bedeutet natürlich nicht gleich, dass ich mich ins völlige Anti Social Media Nirvana zurück ziehe, sondern lediglich, dass ich meine Sensoren und meinen Filter etwas sensibilisiert habe und ich muss sagen, dass diese Veränderung ganz gut tut. Morges nutze ich die ersten Minuten des Tages für mich und meine kleinen Morgen Rituale (z.B. Yoga und ein ruhiges Frühstück) und Abends lese ich jetzt wieder öfter ein paar Seiten in einem spannenden Buch anstatt der Scollsucht zu verfallen. Vielleicht hilft dir das ja auch dich etwas von dieser digitalen Fake World abzugrenzen und das nächste Frühstück Lokal nicht nach dem schönsten Avocado Toast auszuwählen. 😉

Solltest du demnächst wieder der Versuchung verfallen und dein Avocado-Toast und die Latte-Kunst auf dem Marmor Tisch zu arrangieren, um dieses bedeutende Stilleben für Instagram zu fotografieren, haben wir einen heißen Tipp für dich:

Lass es bleiben. Bringt eh nichts.

Lasst uns gerne mal eure Gedanken dazu wissen!

 

Eure Sarah

 

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